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Nur weil jetzt gerade alle durchdrehen wegen der chinesischen Elektroautos und "Autopapst" Dudenhöffer (was für eine ultradeutsche Bezeichnung für dieses Objekt religiösen Fanatismus) so'n bisschen mit "Hab ich ja gesagt" rüberkommt:

Hat er gesagt. So seit 2019.

Aber hier ist ne Perle aus der Aachener Zeitung (Achtung, Cookie-Monster) von 2014:

😂 "„Wir gehen in die Zukunft mit den elektrischen Antrieben”, betont der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Dabei werden sich die Batterie und die Brennstoffzelle seiner Ansicht nach ergänzen - „wobei langfristig die Bedeutung der Brennstoffzelle stark steigt”."

😂 Serienproduktion Brennstoffzellenautos bei Daimler: "Doch es könnte auch alles viel schneller gehen: Denn Daimler steigt immerhin ein Jahr früher als vorgesehen in die Serienproduktion von Brennstoffzellenautos ein - nämlich schon 2014."

😂 "Und dann [also wenn der Wasserstoff 100% grün ist] ist das Brennstoffzellenauto laut Dudenhöffer genau dies: „Die Lösung für die nächsten 5000 Jahre.”"

Es war eine einfachere Zeit damals, 2014. Vor 9 Jahren.

Oh, aber Plot-Twist!

😱 "Oder doch nicht? Nach Einschätzung des Autoexperten Frank Schwope von der Norddeutschen Landesbank (NordLB) kommt der Brennstoffzelle grundsätzlich keine Bedeutung zu. Verschiedene Autobauer hätten sich aus der Entwicklung weitgehend zurückgezogen."

Wem glauben wir jetzt!? Dudenhöffer got us covered:

😍 "Aber: Laut Dudenhöffer werden die Preise für Brennstoffzellenautos bis 2025 bei 20 000 bis 25 000 Dollar liegen."

Puh, da haben wir ja noch fast 2 Jahre!

Aber gut. Die günstigen Autos 2025 haben dann aber zum Start auch ganz viele H2-Tankstellen, oder?

🤔 "Bis es so weit ist, wird es dauern - bis zu 20 Jahre, meint Dudenhöffer. Bratzel sagt: „Ich rechne nicht damit, dass in den nächsten fünf bis acht Jahren eine Infrastruktur aufgebaut wird.”"

Äh, aber, wie können die Autos dann schon 2025 so billig sein, wenn es erst 2035 genügend Tankstellen gibt? Der Artikel lässt uns mit einem Cliffhanger zurück:

"Ob die erfolgreiche Weltreise dreier Wasserstoffautos von Daimler dem Antrieb zum Durchbruch verhilft? Bis jetzt stellt der Autobauer nur eine Kleinserie von 200 Fahrzeugen mit Brennstoffzelle her. Doch auf Deutschlands Straßen rollen insgesamt rund 42 Millionen Autos - der Abstand bleibt gewaltig."

@SheDrivesMobility

👉 aachener-zeitung.de/ratgeber/g

@SheDrivesMobility Dieser Post soll jetzt nicht die Aachener Zeitung im speziellen treffen. Solche Artikel findet man zuhauf.

Er zeigt viel mehr exemplarisch ein riesiges Manko unserer öffentlichen Debatte über technische und/oder komplexe Themen:

Es wird ein 'Experte A' gehört und mit einem Industriemenschen (hier war's jemand von Linde) unterfüttert. Und dann kommt ein anderer 'Experte B' (hier von der NordLB, einer Landesbank) mit einem "Ja, aber, wir haben das mal durchgerechnet...".

Eine Synthese dieser Punkte findet nicht statt. Auch ein kritisches Hinterfragen der Angaben des Experten A findet nicht statt. Den beiden Autor:innen hätte ja auffallen können, dass 2025 < 2014+20 ist. Und dass man da vielleicht mal nachhakt.

Es ist natürlich jetzt, 9 Jahre später, recht einfach, sich über eine solche komplette Falschvorhersage lustig zu machen. Aber wir lernen offenbar auch nicht daraus. Und ich frage mich, warum.

@SheDrivesMobility

Wie gesagt: Es gibt noch weitere Perlen. Wie diese hier, die ihren Perlencharakter schon im erweiterten Teaser vor der Paywall verrät:

"Bei allem Geschrei um das Elektroauto ist eine Form des elektrischen Fahrens etwas ins publizistische Hintertreffen geraten: die Brennstoffzelle. In ihr wird in einer komplizierten chemischen Reaktion aus dem Luft-Sauerstoff und Wasserstoff Strom erzeugt, der einen E-Motor antreibt - fertig."

Ist es diese 'komplizierte chemische Reaktion', also quasi der Electro Turbo Encabulator der Motor&Sport-Seiten der Zeitungen, die die Faszination ausmacht?

2 H2 + O2 --> 2 H2O

Und was ist mit dem sehr, sehr einfachen, geradezu trivialen Prozess in einer Batterie?

Knopf drücken --> Saft kommt

👉 faz.net/aktuell/technik-motor/

@SheDrivesMobility Oder war 2014 zur Vorstellung des Toyota Mirai (H2) die Zukunft schon da und wir haben's nur nicht mitbekommen?

War es etwa die Bewunderung für Toyota (so ein flexibles und erfolgreiches Unternehmen zu der Zeit [2]), die zur Bewunderung für die Brennstoffzelle wurde?

😍 "futuristisch" von außen

😩 Aber: "Nicht ganz so futuristisch wie von außen zeigt sich der Toyota Mirai (übersetzt: Zukunft) von innen-"

Denn wir wissen alle: Autos müssen wie andere dem Mann unterwürfige Objekte vor allem eins sein: Schön!

👆 Aber auch nicht zu futuristisch, es muss sich "trotz der futuristischen Optik wie ein ganz normales Auto fahren" lassen.

😍 Wichtig ist auch, dass der "Tankvorgang in fünf Minuten erledigt" ist. Denn, wer rastet rostet. Da fragt niemand, *wo* man denn tanken kann...

😍 Und da ist sie wieder, die rationale, nüchterne Zuneigung des Mannes zur Frucht seines Intellekts: "Getankt wird purer Wasserstoff, der in einem aufwendigen Verfahren in einem 370-Zellen-Stack in elektrische Energie umgewandelt wird."
Wär's einfach, wieso sollte man es dann tun?

Aber was ist das?

😱 "Im nächsten Jahr sollen weltweit 700 Mirai verkauft werden, bis Ende 2017 ist deren Zahl auf 3000 Stück begrenzt. "Größere Stückzahlen versprechen wir uns erst in den 2020er Jahren", räumt Takechi Uchiyamada ein und verweist auf die höchst unterschiedlichen regionalen Wasserstoffverbreitungen."

Waaaaas? Nein. Das kann doch nicht, das DARF nicht sein!
Die "Kosten [konnten doch] um 95 Prozent reduziert werden"! Und man hat doch auch Jahrzehnte lang (technologie)offen und ehrlich daran gearbeitet:

😽 "Die Brennstoffzelle galt jahrelang als grünes Vorzeigeprojekt der Autohersteller. Doch außer Kleinserien, Testbussen und Gabelstablern ist nicht viel geblieben."

Ist das Defaitismus? Das darf es in der doitschen Automobilindustrie aber nicht geben. Und schon gar nicht in den Motor&Sport-Seiten der Zeitungen!

Und zum Glück rettet uns zum Abschluss Amerika, nein, Ka-li-for-nien!

😍 "Infrastruktur in Kalifornien schon vorhanden

Getankt werden kann zwischen San Diego und Sacramento an 100 Tankstellen, die derzeit aufgebaut werden, kostenlos und es gibt einen telefonischen Concierge-Service rund um die Uhr, wenn Probleme auftreten sollten. Während es in den USA acht Jahre Garantie auf die Wasserstoffkomponenten gibt, bekommen die Europäer nur derer drei."

Alles wird gut, wenn wir nur mehr wie Ka-li-for-nien sind!

👉 [1] t-online.de/auto/elektromobili

[2] ingenieur.de/technik/fachberei

@SheDrivesMobility Doch manchmal, also manchmal, blitzt dann doch unter der publizistischen Hochglanzfaçade ein Funke zweifel durch, wie in diesem pulitzerpreisverdächtigen Machwerk: Ein Artikel über die *erste* doitsche *Wasserstofftankstelle*. Und noch dazu in Franken!

Da sind zu Gast:
✅ Staatssekretärin im Bundesbenzinministerium und Verkehrsvisionärin Dorothee Bär (CSU)
✅ Prof. Dr. Herbert Kohler, Leiter der Abteilung Konzernforschung und Nachhaltigkeit bei Daimler
✅ Markus Bachmeier von der Linde Group (München)
✅ Dr. Anja Weisgerber, MdB (CSU, Wahlkreis Schweinfurt, Bayern)

💪 Namhafte Hersteller forschen schon seit den 1990ern an der Brennstoffzelle, genannt werden (aber nur?) Toyota und Daimler. Also eigentlich alle!

😍 Und: "Es gibt keinen Weg, der an dieser Technologie vorbei führt", so Kohler von Daimler. Doro Bär relativiert: "Das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur unterstützt dieses Ziel, an dem laut Staatssekretärin Dorothee Bär kein Weg vorbei führt."

🙏 "„CO2-neutrale Antriebsarten gewinnen immer mehr an Bedeutung“, bestätigte Bundestagsabgeordnete Dr. Anja Weisgerber."

Und die einzige, CO2-neutrale Antriebsart ist natürlich Wasserstoff, denn Wasserstoff enthält kein CO2!

Und bei der Markteinführung sollte man sich auch keine Sorgen machen, denn komplexe Infrastrukturen sind wie eine Schachtel Pralinen:

😍 "Wie schnell eine neue Technologie Fuß fassen kann, verdeutlichte Dr. Weisgerber anhand eines Beispiels. Vor 15 Jahren habe kaum jemand digital fotografiert, heute sei es längst Standard."

Natürlich darf der Hinweis auf die zentrale Lage der Tankstelle in "Geiselwind" nicht fehlen:

🗺️ "Der Standort Geiselwind sei deshalb geradezu ideal, verknüpft er doch die Großstädte Stuttgart, Frankfurt und München."

Der Artikel schließt mit einem Hauch eines Wermuthtropfens von einem sehr gemeinen Zeitgenossen, der noch ein Jahr vorher anderer Meinung war:

😡 "Allerdings gibt es auch kritische Stimmen. Wie das Handelsblatt berichtete, werden die Anfangsinvestitionen für ein flächendeckendes Tankstellennetz in Deutschland auf rund drei Milliarden Euro geschätzt. Und der Leiter des CAR-Institutes der Universität Duisburg-Essen, Ferdinand Dudenhöffer wird im gleichen Blatt mit folgender Einschätzung zitiert: „Die Marktchancen für die nächsten zehn bis 15 Jahre sind gleich Null.“"

👉 infranken.de/lk/kitzingen/loka

@SheDrivesMobility Also beim zweiten Lesen beschleicht mich ein Verdacht:

Da sind ja zwei Politikerinnen von der CSU. Gibt's die nicht nur in Bayern?

Und dann ist da jemand von einem Münchner Unternehmen dabei... liegt München nicht auch in Bayern?

Und die Tankstelle steht in Franken (was entgegen der Meinung vieler Franken ja in Bayern liegt) zwischen drei Großstädten.

Helft mir mal... gibt es da ein Muster?

@SheDrivesMobility Ah, neee, Fehlalarm! Also hier ist ne Studie aus Österreich, wo's um die "DIE ÖKO-WASSERSTOFF-TANKSTELLE DER ZUKUNFT" geht.

Absolut unverdächtig, dass in dem Artikel oben irgendwie alles in Bayern spielte. Österreich to the rescue!

👉 joanneum.at/fileadmin/user_upl

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