Ein r/wichtiger (und auch richtig wichtiger) Schritt. Auch der Thread dazu ist sehr informativ.
Für alle, die nicht im Forschungsumfeld tätig sind, hier ein paar Infos:
* Private Unternehmen vertreiben prestigeträchtige Zeitschriften
* Wer bei Privaten veröffentlichen will, muss dafür eine Gebühr bezahlen (das können einige 100 € sein, aber auch vierstellige Beträge).
* Man sollte meinen, das deckt die Kosten und einen Gewinn des Unternehmens und die anderen Forscher:innen können die Artikel dann lesen, aber nein: Sie müssen sie abonnieren und zahlen nochmal. Einzelverkauf von Artikel wird oft mit Beträgen wie 45 € oder 80 $ praktisch unterbunden.
Was hängt ab von Veröffentlichungen?
Die Karriere: Will man sich auf eine Professur bewerben, wird auf einen oder mehrere der Literatur-Scores geschaut. Hier ist ein Faktor, wie oft die Paper der/des Bewerberin/s zitiert wurden. Das spricht einerseits für das jeweilige Paper. Andererseits kann man davon ausgehen, dass "wichtigere" Publikationen grundsätzlich häufiger gelesen werden.
Ein anderer Faktor ist bei einigen Scores das Journal selbst.
Auch, ob eine wichtige Erkenntnis effektiv verbreitet wird oder nicht, hängt damit von den verfügbaren Mitteln ab. Es gibt im Umkehrschluss - in letzter Zeit immer wieder an die breitere Öffentlichkeit gelangte - Fälle von Publishing-Optimierern: Gruppen, die gezielt eigentlich unausgegorenes Zeug bei bekannten Journals platzieren. Eben auch, *weil* sie die Ressourcen haben (Geld, Erfahrung *wie* ein Journal reviewt).
Das System ist sehr problematisch. Man kann sagen: Es ist kaputt.
Private Verlage ziehen Geld aus dem Forschungssystem, weil sie aus "ihrem" Produkt maximalen Profil ziehen. Das wäre fair, wäre es *ihr* Produkt. Aber ohne die aufwändige Forschung vieler Gruppen hätten die Journals gar keinen Inhalt. Selbst die "Editorials" sind i.d.R. von bekannten Wissenschaftler:innen geschrieben.
Weiter: Der wichtigste Arbeitsschritt wissenschaftlicher Veröffentlichungen, der Peer Review, wird nicht vergütet (wenn man mal von dem tollen Dankeschön und dem Badge "Referee für Journal X" absieht [1]).
Die Summe, die diese Verlage einnehmen, steht in keinem Verhältnis zu ihrem Aufwand.
Die #OpenAccess-Initiative hat Druck gemacht: Einerseits durch Gründung nicht gewinnorientierter Journals, bei denen tatsächlich nach Aufwand (Lektorat der Artikel, Hosting, i.d.R. kein Druck) abgerechnet wird. Außerdem haben sie das Gebührenmodell geändert: Es zahlt nur noch das veröffentlichende Team, der Zugang zu den Dokumenten ist frei.
Langsam und widerwillig folgen die großen Verlage. I.d.R. nicht mit einer Übernahme des o.g. Modells, sondern durch Abstufungen à la Starbucks, z.B. "Normal", "OA Light", "OA Gold".
Wobei z.B. OA Light bedeuten würde, dass man eine erhöhte Gebühr bezahlt, aber die Abogebühr und die Einzelkaufpreise reduziert sind. Und OA Gold erhöht die Publishinggebühr noch weiter, stellt sie dann aber frei online.
So kann der Verlag behaupten, sein Journal X sei Open Access, wenn es nur für zahlungskräftige Teams echtes OA darstellt.
Ein Geschäftsmodell massiv finanziert aus Steuermitteln (fast alle Forschung wird zu sehr großen Teilen steuerfinanziert). Springer Nature AG & Co. KGaA hat z.B. einen Jahresumsatz von 1,7 Mrd € (2019) bei 26% Marge [2]. Elsevier hat einen EBIT (also Gewinn vor Zinsen und Steuern) von 1,07 Mrd GBP [3].
[1] https://www.nature.com/nature/for-referees/reviewer-recognition
[2] https://group.springernature.com/de/group/media/erstmals-jahresbericht-2021/23579786
[3] https://en.wikipedia.org/wiki/Elsevier