Ist der Glaube an Verschwörungsmythen eine Art Ersatzreligion? Diese Frage höre ich oft. Allerdings spricht vieles dagegen. Man kann nicht sagen, dass mit Abnehmender Religiosität der Glaube an Verschwörungen zunimmt. Bereits im Mittelalter, als Religion...(1/x)

einen viel größeren Stellenwert in der Gesellschaft und im Leben der Menschen hatte, waren Verschwörungserzählungen verbreitet. Darüber hinaus lohnt ja die Frage: Braucht der Mensch eine Art von Religion? Das würde ich eher verneinen.

Wissenschaftler der Uni Münster haben sich den Zusammenhang zwischen Religion und Verschwörungsglaube angeschaut. Sie sagen, dass es auch religiöse Menschen gibt, die an Verschwörungserzählungen glauben. Hierbei gibt es aber Unterschiede beim individuellen Glaubensverständnis.

"Menschen, die ihre Religion auch über andere Glaubensrichtungen stellen, also ein "exklusiveres" Glaubensverständnis haben, seien eher "privatistisch-apokalyptisch" veranlagt und anfälliger für verschwörerisches Gedankengut": muensterschezeitung.de/Lokales

Das passt auch zu den Ergebnissen einer Studie, der zufolge rund ein Viertel der weißen Evangelikalen in den USA an zentrale Bestandteile der QAnon Verschwörungserzählung glauben: religionnews.com/2021/02/11/su

Diese Zusammenhänge sind uns auch bei unserer Buchrecherche ins Auge gestoßen. Es gibt auf YouTube einen wahren Mikrokosmos voll mit religiös-fundamentalistischem Verschwörungs-Content. Liberale Politiker werden beschuldigt, Teil einer satanistischen Verschwörung zu sein.

Insbesondere Endzeitszenarien radikaler Splittergruppen scheinen mir sehr anschlussfähig für zahlreiche Verschwörungserzählungen zu sein. Und auch die Feindbilder sind (leider) oft kompatibel.

Umso wichtiger finde ich es, dass innerhalb von kirchlichen Organisationen das Bewusstsein dafür da ist, dass es sich hierbei eben um ein gesamtgesellschaftliches Phänomen handelt. Auch innerhalb von Gemeinden braucht es daher Sensibilisierung und Aufklärung über die Gefahren.

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@kattascha Thanks for an interesting reading. While I do not have a relevant research reference on this, my personal take is that religions and belief in conspiracy theories is probably rather independent.

The two are indeed related in that both help an individual to deal with uncertainty. That's perhaps the reason why people around you have a tendency to think that conspiratory beliefs are Ersatzreligion.

In my opinion they however differ in that religion helps to resolve the stress from uncertainty related to the relation of an individual to the world, that is, the psychology of one's relation to reality. Conspiracy theories, on the other hand, help an individual to deal with uncertainty in the nature of external physical phenomena and objects.

In other words, while the mechanics of religion and conspiratory thinking might look similar (suspension of disbelief), the root reason and the purpose of the two differs. That's why (I speculate) they can co-exist: both religious people, as well as atheists have a choice to either lean towards science or towards conspiracies when it comes to uncertainty in the physical reality.

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