Mmmh, okay. 100 Gummipunkte für das Roman Ruckdurchdoitschland Herzog Institut, der "Denkfabrik der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft".
Sie haben also gerechnet. Also, wenn man den Artikel liest, eher geschätzt ("Die Autoren verweisen darauf, dass die Daten aus den einzelnen Ländern wegen Unterschieden bei der statistischen Erhebung eingeschränkt vergleichbar sind und es sich daher um Schätzwerte handelt.").
Und wenn man dann die "Studie" öffnet und die Quellen anschaut, dann ist das eine "eigene Schätzungen auf Basis von OECD, 2023c; 2023d; Eurostat, 2023c".
Also, ich habe sowas in Papern geschrieben, wenn ich nicht so recht wusste, wie ich den Quatsch, den ich da geschätzt habe, legitimieren soll. Aber das war ja nur ich.
Und mit dieser "hochpräzisen" Schätzung kommt man dann auf 8,1% Abweichung Deutschlands vom EU27-Durchschnitt (die Standardabweichung des "geschätzten" Datensatzes beträgt 7,7%, die des "bereinigten" Rohdatensatzes übrigens 12,5%).
Und daraus leitet man jetzt die Forderung nach einer Erhöhung des Renteneintrittsalters ab.
Wie hoch ist das eigentlich?
Effektiv (Quellen unter [1]):
🇩🇪: 61,7 Jahre
🇪🇺-27: 61,3 Jahre
Also kommt man mit einem 0,6% höheren effektiven Renteneintrittsalter auf eine 8,1% niedrigere Lebensarbeitszeit.
Die 100 Gummipunkte gibt's aber nicht für dieses Kunststück des Schätzeisenjonglierens, sondern für den Teaser in der #Zeit:
"Nur in Luxemburg verbringen die Menschen weniger Zeit mit Arbeit als in Deutschland. Das zeigt ein Vergleich von EU-Ländern. Besonders viel gearbeitet wird in Estland."
Vulgo: Ihr seid fast so faul wie die Luxemburger (kennt niemand, low-energy country), viel arbeiten guuuuut.
So wird effektiv Agendasetting betrieben. Und jetzt wird es genau 3 Monate dauern, bis erst die CSU, dann die CDU und dann alle von "Silver Workern" sprechen, aber statt es für Leute, die länger arbeiten können und wollen, einfacher zu machen, werden die Abschläge für Leute, die nicht länger können (und auch nicht wollen) einfach höher. Yay.
👉 https://www.zeit.de/arbeit/2023-10/arbeit-lebenszeit-vergleich-europa-arbeitnehmer